leonie lauren

Leben & Lifestyle aus Wolfsburg

weekly thoughts #2 Heute vor einem Jahr

Nicht ganz heute aber exactamente in dieser Woche vor einem Jahr bin ich aus Südafrika wiedergekommen. Einige werden sich daran erinnern, weil auch hier auf dem Blog stets fleißig von unseren Abenteuern im Regenbogenland berichtet wurde. Für mich ist das sehr feierlich, es vergeht eigentlich kaum ein Tag, an dem ich nicht an die Zeit während meines Auslandssemesters denke und das, obwohl es sich dabei nur um sechs Monate handelte. „Nur“ sechs Monate? Für den einen oder anderen mit längeren Auslandsaufenthalten (nicht selten heutzutage) vielleicht eine Zeit über die sich schmunzeln lässt, für mich hingegen eine lebendige Erinnerung, die noch immer nachwirkt, weil sie mich vor allen Dingen eines gelehrt hat: Ich darf stolz auf mich sein.

Als wäre er gestern gewesen, so detailliert kann ich mich an diese letzten Tage in Afrika erinnern: Den gesamten Kontinent einschließend deshalb, weil wir (meine liebe Freundin Louisa, mit der das Semester gemeinsam machte und ich) Anfang Juni noch einmal für neun Tage Südafrika den Rücken kehrten und nach Mauritius flogen. Die Liste der Dinge, die ich noch nie zuvor gemacht habe, erweiterte sich um den Punkt „Klausurenvorbereitung am Strand des Indischen Ozeans“. Der Lernstress wurde zweitrangig, viel wichtiger war, dass wir eine weitere Facette Afrikas so kurz vor unserer Rückkehr kennenlernen durften. Zurück im südafrikanischen zu Hause stand die letzte Klausur an und auch hier waren Wehmut und Abschiedsstimmung viel bedeutender und einprägender als die Aufregung vor den Prüfungen. Natürlich veranstalteten wir dann noch einmal eine riesige Abschiedsparty und dann packten wir unsere Sachen und entsorgten oder verstauten all das Hab und Gut, welches sich in den letzten Monaten im Zimmer anstaute, in zwei Koffern.

Ich hätte mir wirklich im Vorfeld NIEMALS im Leben erträumt, dass dieses Auslandssemester so überragend wird. Andere schwärmten von Auslandserfahrungen und ich dachte mir jedes einzelne Mal nur: Ja, klar – so wird mir das auf jeden Fall nicht ergehen, dafür liebe ich mein zu Hause zu sehr und werde dementsprechend wahrscheinlich an Heimweh zu Grunde gehen. Leute, die mir Nahe stehen, werden wissen, wie stark ich auch kurzfristig noch daran gezweifelt habe, dass ich nach Südafrika gehe. Nach einigen zweifelnden Nächten bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich wohl am meisten bereuen würde, es wenigstens nicht einmal versucht zu haben. So ging ich neugierig in dieses Abenteuer und wurde mit dem besten Semester meines 4,5-jährigen Bachelorstudiums belohnt. Natürlich habe ich Familie, Freunde und mein zu Hause in Deutschland vermisst aber gleichzeitig konnte ich mein kleines neues Leben in Südafrika in vollen Zügen genießen.

Seit ich also vor etwa einem Jahr wiedergekommen bin, ist so viel passiert, dass ich manchmal gar nicht realisiert habe, wie schnell die Zeit wirklich an mir vorbeiflog. Trotzdem versuchte ich mich immer daran zu erinnern, jeden Moment zu genießen, egal was gerade ist und kommt und einfach irgendwie alles anzunehmen und bewusst zu tun – etwas, das mich die Zeit in Südafrika gelehrt hat.

Persönlich verändert habe ich mich auch, das meinen zumindest meine Eltern, die mich jetzt wenigstens ein bisschen erwachsen finden – vielleicht kommt das von den Erfahrungen, die ich zum Beispiel während des Projektes im Township außerhalb (das Wort „außerhalb“ ist schon sehr bezeichnend als typische Lage eines Townships) meines Wohnortes Port Elizabeth machen durfte. Dort war ich während des Semesters wöchentlich vor Ort, um Schulkindern aus dem Township bei Hausaufgaben zu helfen und mit Kindern im Kleinkindalter zu spielen – der Hort bzw. das ganze Township in dem wir uns befanden, war mit nichts zu vergleichen, was ich je zuvor gesehen habe (und was man in Deutschland höchstwahrscheinlich auch nicht anfinden würde – zumindest würde man es dann nicht als einen Kindergarten bezeichnen).

Am Ende des Auslandssemesters saß ich im Flugzeug und in meiner ganzen Freude, die ich auf zu Hause hatte, dachte ich: Die Zeit in Südafrika war perfekt – nichts hätte besser sein können. Dass es Zeit wird, nach Hause zu kommen, gemischt mit dem Wissen, dass ich es gemacht und durchgezogen hatte, war eines der besten Gefühle, die ich je durchlebte. In diesem Moment war ich so stolz auf mich – ein Gefühl, dass ich (oder auch wir alle) irgendwie viel zu selten zulasse. Denn, auch wenn es kein halbes Jahr im Ausland ist, so gibt es eigentlich täglich Grund, stolz auf sich zu sein. Man muss sich nur einmal vor Augen führen, was man bisher alles geschafft hat, vielleicht auch unter welchen Strapazen und wie kräftezehrend bestimmte Abschnitte im Leben waren. Aber am Ende hat man es geschafft. Und da kann man schon mal klatschen – für sich selbst, meine ich.

Auch diese Erkenntnis kam mehr oder weniger durch Südafrika und das waren nun nur ein paar Auszüge der Langzeitfolgen meines Aufenthalts: Die Orte, die ich entdecken durfte, vor allen Dingen aber die tollen Menschen, die ich traf – all das bewege ich noch heute in meinem Herzen. Eine von diesen Menschen ist übrigens Kevina – eine beeindruckende Person, die ich glücklicherweise direkt am Anfang des Semesters kennenlernen durfte. Sie zeigte uns alles, nahm uns überall mit hin und war so offen und herzlich, dass ich mir wünsche, jeder könnte sie einmal kennenlernen. Kevina ist eine Visionärin und dazu jemand, der nicht nur redet, sondern auch aktiv etwas ändert. Gemeinsam mit einem Freund, der ebenfalls für ein Auslandssemester in Südafrika war, hat sie ein Projekt gestartet, mit dem sie Kindern aus Uganda (dort, wo Kevinas Familie ursprünglich herkommt) eine bessere Zukunft ermöglichen möchte, in dem die Grundvoraussetzungen für Bildung, der Ausbau des Schulgebäudes, durch Spenden finanzieren werden soll.Ich persönlich durfte durch Südafrika so viel Spannendes über die afrikanische Kultur erfahren, ich habe all das aufgenommen und ein Stück weit auch zu meiner Kultur, meiner Identität gemacht.

Niemand kann sich aussuchen, in welchem Land er oder sie geboren wird – dass ich im privilegierten Deutschland groß geworden bin, alle Möglichkeiten hatte und habe und seit ich denken kann freien Zugang zu Bildung genieße, ist – global betrachtet – keine Selbstverständlichkeit. Daher ist es mir eine Herzensangelegenheit, das Projekt zu unterstützen, denn es herrschen nunmal nicht die gleichen Voraussetzungen auf dieser Welt, sodass wir alle einfach ein bisschen aufeinander achten sollten und uns für die Interessen der Anderen nicht verschließen. Hier könnt ihr alles über das Projekt nachlesen und gerne auch euren eigenen Beitrag leisten.

Ich hoffe, euch hat mein ziemlich langer Wochenbeitrag gefallen und vielleicht schreibt der eine oder die andere in die Kommentare, wie es ihm oder ihr nach einem Auslandsaufenthalt erging.

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