leonie lauren

Leben & Lifestyle aus Wolfsburg

Vertigo Dance Company – Movimentos Festwochen

Am Donnerstag hatte ich das zweite Mal in diesem Jahr die Ehre, die Movimentos Festwochen zu besuchen. Nachdem ich mich im April bereits von der Movimentos Akademie begeistern lassen durfte, stand nun die Premiere der Vertigo Dance Company auf dem Programm. Sie fand im alten Kraftwerk auf dem VW-Gelände statt und wenn man als Gast über die Wasserbrücke in Richtung des imposanten Backsteingebäudes schreitet, dann kann ich nicht anders, als einen Moment inne zu halten und mir vor Augen zu führen, dass Kultur und Leben und Wirtschaft eng miteinander verbandelt sind.  Dass dies nicht primär und ausschließlich ein negatives Bild auf die Stadt wirft, sondern ganz im Gegenteil, eher Möglichkeiten und Chancen schafft, beweist die Autostadt Jahr für Jahr.

Die Vertigo Dance Company ist eine israelische Tanzgruppe, die nicht nur einen hohen Anspruch an künstlerische Kreativität stellt, sondern auch auf die Integration einer sozialen Verantwortung. So arbeitet die Company in vielen Tanzensembles nicht nur mit Künstlern anderen Genres sondern beispielsweise auch mit Menschen mit Behinderung zusammen. Die Vertigo Dance Company wurde 1992 von Adi Sah´al und Nora Wert23heim in Jerusalem, Israel gegründet. Letztere ist gebürtige Amerikanerin mit deutschen Wurzeln, wie sie selbst erzählt. In der Choreografie „Yama“, die mit dem Auftritt im Rahmen der Movimentos Festwochen Deutschlandpremiere feiert, wird israelischer Volkstanz eingebracht und Elemente aus dem japanischen Raum lassen sich als Bestandteil erahnen. Die Choreografin äußert sich zum Inhalt ihres Stückes jedoch nicht weiter. Stattdessen möchte sie jedem Zuschauer Raum für eigene Interpretationen lassen. Mit ihrem beruflichen Partner Audi Sah´al ist Wertheim auch privat liiert.

Leider konnte ich während der etwa 60-minütigen Aufführung keine Fotos machen, sodass ich mich auf die Veranstaltung an sich, also das „davor“ und „danach“ konzentrierte. Noa Wertheim sprach mir quasi aus der Seele, als sie in ihrer Rede im Anschluss an das Stück von der Location und der Wirkung des alten Kraftwerkes schwärmte. Auch ich finde, dass es sich bei der alten Produktionshalle um einen so außergewöhnlichen Ort handelt, der die besondere Bedeutung der Kultur in der „Autostadt“ Wolfsburg wiederspiegelt wie kein anderer.

Besonders interessant an der Premiere ist der Aspekt, dass vor dem Tanzstück eine Werkeinführung durch Bernd Kauffmann and den Tanz- und Kulturkenner Jürgen Wilcke erfolgte. Kaufmann ist künstlerischer Leiter der Movimentos Festwochen und versucht sich am Premierenabend in einer – seiner eigenen – Interpretation des sich anschließenden Stückes: „Ich bezeichne das Stück als eine Art optimistische Tragödie. Es hat keine wirkliche Geschichte, keinen narrativen Faden aber es sind sehr viele tiefgründige Gedanken der Choreografen zu erkennen.“, so Kaufmann. Das Stück handele von der beschränkten Freiheit und der unbeschränkten Unfreiheit.

Das entspricht dem Motto – Freiheit – welches über allen Veranstaltungen der diesjährigen Movimentos Festwochen steht. Das Leitthema könnte damit passender und aktueller nicht sein, was auch die Worte des Geschäftsführers der Autostadt verdeutlichen: „Meinungsfreiheit ist die Voraussetzung für unser demokratisches Verständnis und den kulturellen Austausch“, so Otto F. Wachs.

Bereits zum 15. Mal veranstaltet die Autostadt ihre Festwochen, ein kleines Jubiläum und ein wichtiger Anker in Sachen Kultur für die Region. Die Autostadt ist sichtlich stolz auf das, was sie jährlich auf die Bühne bringt, seien es Lesungen, Konzerte oder Tanzensembles wie an diesem Abend. Das Programm zeugt nun bereits über Jahre hinweg von Qualität und Vielfalt. Letzteres wird anhand der kleinen Fotoausstellung im Kraftwerk deutlich, die beeindruckende Aufnahmen aus vergangenen Performances zeigt.

Es folgen noch ein paar weitere Impressionen des Abends, der für mich sehr inspirierend und irgendwie auch lehrreich war. Besonders gefiel mir, dass im Anschluss an die Performance Gäste und Tänzer sowie Choreografen aufeinander stießen und bei Rhababereis und veganen Blätterteigschnecken nutzte ich die Möglichkeit eines Austausches mit den Tänzern. Es war interessant zu sehen, dass diese sehr aufgeschlossen und neugierig waren, Dinge über Wolfsburg erfahren wollten und rundum sympathisch wirkten. Einen herzlichen Dank für den schönen Abend möchte ich daher an das Team der Autostadt richten, die es einfach immer wieder schaffen, den Rahmen für ein unvergessliches Movimentos Erlebnis zu bieten und insbesondere an die Pressestelle, in Persona Frau Kreß, für die nette Kommunikation und Betreuung.

    

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