leonie lauren

Leben & Lifestyle aus Wolfsburg

Unser erster Roadtrip

An unserem zweiten Wochenende in PE nutzten wir die Chance, zusammen mit drei Schweden und einer weiteren Deutschen mit einem gemieteten Auto in eine abenteuerreiche Zeit zu starten. Bevor wir uns in die anstrengende Unizeit stürzten, nahmen wir das Angebot der anderen Internationals an, in die Nähe von Tsitsikamma zu fahren. Auf dem Programm sollten Bungyjump und eine Safari stehen. Bei der Planung reduzierte sich die Zahl der Interessenten schnell von 15 auf Sechs, sodass unsere sympathische Reisegruppe in einen Multivan passte, der übrigens brandneu war und sich im nahegelegenen Einkaufszentrum mieten ließ.

Der schwedische und sehr mutige Oliver traute sich, das Auto zu fahren und brauchte eine Weile, sich an den Linksverkehr zu gewöhnen. Das Navi führte uns zuerst in die Nähe des Tsitsikamma Reserves, wo sich der höchste Bungyjump Spot der Welt (216m) befindet.

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Schon während der Autofahrt grummelt mir der Magen, wenn ich nur daran denke. Nach außen lasse ich mir das natürlich nicht anmerken, werde aber schon gefragt, warum ich eigentlich so ruhig bin. Bis wir ankommen versuche ich, ein bisschen zu schlafen.

Somit geht alles schneller als gedacht und ich finde mich an der Anmeldung wieder und bezahle die 890R für den Sprung in die Tiefe. Da ich noch ein bisschen Zeit habe, schaue ich mir von einem Aussichtspunkt die Sprünge anderer mutiger Personen an. Im Nachhinein war das der wirklich schlimme Part der Aktion. Auf einmal habe ich nicht mehr Angst vor dem Sprung an sich, sondern vor der Situation am tiefsten Punkt, da es aussieht, als würden die Körper unkontrolliert und sehr schmerzhaft durch die Luft fliegen. Aber es sollte kein Zurück mehr geben: Das merke ich spätestens, als ich mich auf einem Gitter direkt unter der Brücke hin zum Absprungpunkt bewege. Dabei konzentriere ich mich voll darauf, bloß nicht nach unten zu sehen und auch mein Handy halte ich fest in der Hand, als ich daran denke, dass es locker durch das Gitter passen würde. Als ich die Mitte der Brücke erreiche, wandelt meine Angst sich doch etwas in Euphorie, da die atemberaubende Kulisse einfach nichts anderes zulässt. Da ich die Vierte bin, kann ich noch mit den ersten Springern mitfühlen und mich auf meinen eigenen Sprung vorbereiten. Als die Mitarbeiter anfangen, meine Füße festzubinden, fange ich wirklich an zu realisieren, dass ich gleich im freien Fall in die Tiefe stürzen werde. Da ich nicht in der Lage bin, normal zu gehen, hüpfe ich an den Rand der Plattform. Zeitgleich hämmert mir mein Herz gegen die Brust. Ich spüre, dass ich bereits nur noch halb auf dem Beton stehe. Der Wind weht mir um die Nase. Ich fixiere die Bergspitze in der Ferne. Langsam lockern die Männer, die mich halten, ihren Griff. In mir fragt sich alles, was ich hier eigentlich gerade mache. Ich strecke meine Arme in die Luft und kippe nach vorne. Ein unbeschreibliches Gefühl. Am untersten Punkt zieht sich das Band fester um meine Knöchel; zeitgleich habe ich das Gefühl, entweichen zu können. Ich verliere die Orientierung und weiß nicht, ob ich gerade falle oder nach oben katapultiert werde. All mein Blut wandert von den Füßen in meinen Kopf und ich fixiere starr den kleinen See unter mir. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt ein Mitarbeiter, der mich zurück nach oben befördert und mich aus meinem Schockzustand holt. Zurück auf der Brücke holt mich das Adrenalin wieder ein und ich kann nicht aufhören zu Grinsen und freue mich, dass ich es wirklich getan habe. In diesem Moment ist mir mehr denn je bewusst: „Fear is temporary regret is permanent!“ Ich bin sehr stolz.

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Nach all der Aufregung machte sich allgemeiner Hunger breit und wir machten uns auf die Suche nach einem geeignetem Platz zum Essen. Nach einiger Umherfahrerei landeten wir Irgendwo im Nirgendwo (Natures Valley). Zu unserem „Glück“ öffnete das Restaurant erst 1,5 Stunden später, sodass wir uns mit Snacks und kühlen versorgten und den naheliegenden Strand erkundeten. Es sollte sich herausstellen, dass der Strand paradiesische Eigenschaften hatte: unberührter, weißer Sand, kaum eine Menschenseele und von Bergen umgeben. Nach einer kleinen Fotosession am Meer genossen wir die atemberaubende Kulisse und machten uns schließlich auf zu unserem Dinner. Zufälligerweise stellte der Ort an dem wir aßen, dass Ende des berühmten Otter Trails dar, sodass wir uns mit unserem Essen unter kaputten Schuhen, dreckigen Socken und beschriebenen Oberteilen wiederfanden, die dort von den „Finishern“ ritualmäßig in die Baumkronen gehangen werden.

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Da wir vorab kein Hostel (Backpacker) gebucht hatten, fragten wir unsere Kellnerin nach einer Bleibe für die Nacht. Typisch nach südafrikanischer Bescheidenheit empfahl sie uns das „Rocky Road“, in dem auch noch sechs Schlafplätze übrig waren. Bei unserer Ankunft merkten wir schnell, dass die Südafrikaner gut sind im Untertreiben: Ein riesengroßes, gepflegtes Grundstück mit Outdoorrezeption erstreckte sich vor uns. Das Beste: Schlafplätze in Form von Zelten mit Outdoorbad. In der Natur schliefen wir für umgerechnet schlappe 12€ zu dem Klang von Grillen unter einem Sternenhimmel, wie wir ihn nie zuvor gesehen haben. Neben Millionen von Sternen konnte man die Milchstraße und sogar den Mars mit bloßem Auge erkennen.

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Nachdem wir so gute Erfahrungen mit diesem Tipp gemacht haben, fragten wir am nächsten Morgen erneut einen Local nach einem Frühstücksplatz. Empfohlen wurde uns – bescheiden wie immer – das „Peppermill“, welches sich als ganzer Hof mit einem Hofladen und Angora-Schafen herausstellte. Letztere streichelten und fütterten wir mit der Begeisterung kleiner Kinder. Gestärkt durch ein mehr als überzeugendes Frühstück führte uns das Navi dieses Mal in das zwei Autostunden entfernte Kragga Kamma Game Reserve. Für 65R pro Person (umgerechnet 3,60€) hat man hier die Möglichkeit, mit dem eigenen Auto Giraffen, Nashörner, Strauße, Zebras und Co. aus nächster Nähe zu beobachten. Nicht nur das war ein echtes Abenteuer, sondern auch die eigentlich Fahrt durch das Reserve, da unsere Familienkutsche von Toyota keinesfalls die Eigenschaften eines Jeeps besaß (Hoffentlich kriegen wir die Kaution wieder!). Nach einem 3,5 stündigen Aufenthalt machten wir uns total erschöpft und mehr als zufrieden auf den Heimweg. Neben jeder Menge neuer Eindrücke von der Vielfalt Südafrikas haben wir außerdem genommen, dass einen Spontanität zu den besten Orten führen kann, dass Schweden tolle Reisepartner darstellen und dass man einen Sprung von 216 Metern tatsächlich überlegen kann.

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