leonie lauren

Leben & Lifestyle aus Wolfsburg

Traumberuf Spieleentwickler – Vortrag Dr. Reiner Knizia

Obwohl Dr. Reiner Knizia sich an diesem Abend als Spieleautor vorstellt, erinnert mich seine Erscheinung sofort an eines der beliebtesten Berufsbilder von Kindern. Das Hobby, den Spaß und das Spiel zum Beruf zu machen – das klingt wie ein Traum. Was Knizia jedoch im Rahmen seiner Rede und der anschließenden Diskussion verdeutlicht: Es ist harte Arbeit, die eine Mischung aus Erfahrung und Disziplin und last but not least jeder Menge Ideen bedarf.

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Knizia sieht – oberflächlich gesagt – aus, wie ich mir einen Spieleerfinder vorstelle: Eine schmale Statue, die aus einem unauffäligem Anzug herausragt. Eine Fliege, die das verschmitzte Gesicht und die wachsamen, dunklen Augen betont. Er, der unsichtbare Spieleerfinder, steht heute im Wissenschaftstheater im Rampenlicht. Ein vergleichsweise junges Publikum beobachtet ihn neugierig. Zu Anfang erklärt Knizia, dass er sein Wirken, seine Unterhaltung in Schachteln packt. Keineswegs wirkt der Spieleautor, der insgesamt etwa 600 Spiele veröffentlichte, schüchtern – im Gegenteil: Als er seinen Vortrag mit der Geschichte des Spiels beginnt, wirkt er locker, entspannt, er redet frei und wirft Anekdoten ein. Wir lauschen ihm gespannt. Den allgemeinen Teil zur Historie und zur Spielebranche fasst der Redner bewusst kurz. Der für mich prägendste Satz:

„Spiele sind ein Spiegel unserer Zeit, sie finden stets auf den Medien statt, die uns Menschen zur Verfügung stehen.“

Viel wichtiger aber ist ihm der zweite Teil – die Spieleentwicklung. Wie geht das? Wenn Knizia gefragt wird, wie er kreativ wird, dann weiß er darauf keine Antwort. Eins jedoch ist gewiss: Ihm gehen die Ideen nicht aus: „Für mich sind sie fast schon ein Fluch, weil all diese Ideen getestet werden wollen, was natürlich nicht möglich ist.“ In seinem Studio hat der Spieleautor ein Regal mit 50 Schubladen: „In jeder Schublade findet sich ein Spiel in der Erprobungsphase.“, so Knizia. Gemeinsam mit einem erfahrenen Spielerteam spielt er die Spiele immer wieder, manchmal Hundert Mal. Das Schubladensystem ist eine natürliche Auslese, bei dem uninnovative Spiele verdrängt werden. Innovation ist dem studierten Naturwissenschaftler sehr wichtig. Im Entwicklungsprozess fragt er sich stets nach dem Grund, weshalb Menschen sein Spiel spielen sollten.

„Die besten Chancen, etwas Innovatives zu erschaffen, hat man, wenn man mit etwas Innovativem startet.“

Spielentwicklung ist für den einstigen Top-Manager im Finanzwesen eine Kunst, keine Wissenschaft. Es geht in der Spielentwicklung um dreierlei: Thema, Mechanismus, Material. Auch das Zutun von ein wenig Glück streitet Reiner Knizia nicht ab. Selbst glaubt er übrigens nicht, dass er ein guter Spieler ist: Dafür spiele er zu selten konkret nur ein Spiel. Er mag kooperative Spiele, weil dies das ohnehin schon vorhandene gemeinschaftliche Erlebnis verstärkt. Religion, Hautfarbe, Alter – das spielt dabei keine Rolle, jeder Spieler ist am Brett gleichberechtigt.

Auf die Frage nach der Zukunft des Brettspiels arbeitet Knizia so routiniert und durchdacht, wie auf alle der vielen Fragen, die ihm nach seinem Vortrag gestellt werden: „Spiele tragen nach wie vor zum gesellschaftlichen Beisammensein bei.“ Er selbst sehe den wachsenden Marktanteil elektronischer Spiele, verstehe sich jedoch immernoch als klassischer physischer Spieleerfinder: „Man darf sich auch nicht verbiegen!“

Knizia und sein Wirken ist ein prädistiniertes Beispiel für das Harmonieren von Wissenschaft, Kunst und Spiel. Auch xxxx von der Stadt Wolfsburg zeigt sich nach der Veranstaltung sehr zufrieden: „Wir wollten mit Reiner Knizia noch einmal zu den Ursprüngen von Spiel zurückkehren. Dass wir dafür einen großen Bekannten gewinnen konnten, war sehr wichtig.“

*in freundlicher Kooperation mit der Stadt Wolfbsurg

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