leonie lauren

Leben & Lifestyle aus Wolfsburg

Stimmen aus Wolfsburg – Interview mit Thorsten Pitt, Direktor der Autostadt Restaurants

In meinem vorletzten Beitrag habe ich nicht nur über die jährlich von der Autostadt ausgerichtete Veranstaltung GUT ESSEN berichtet, ich habe auch offenbart, wie sehr mich der Abend im Hinblick auf nachhaltiges, auf gutes Essen zum Nachdenken gebracht hat. In der letzten Woche erhielt ich darüber hinaus die Möglichkeit, an die Erlebnisse und Erfahrungen bei GUT ESSEN anzuknüpfen und in einem Gespräch mit dem Direktor der Autostadt Restaurants, Thorsten Pitt, noch mehr über ökologische Küche in der Gastronomie und das nachhaltige Konzept der Autostadt Restaurants zu erfahren. In unserem Gespräch stellte sich heraus, dass Thorsten Pitt neben seiner Funktion in der Autostadt auch ein langjähriger und vor allen Dingen scharfsinniger Beobachter der Entwicklung der Stadt Wolfsburg ist und daher enthält dieser Beitrag ungeplant auch einige spannende Ansichten in Bezug auf das Leben in Wolfsburg. Vielen Dank an Thorsten Pitt und an Viola Janz aus der Kommunikation für den tiefen und inspirierenden Einblick in das nachhaltige Gastronomiekonzept der Autostadt.

Herr Pitt, was haben Sie ursprünglich mal gelernt?

Thorsten Pitt: Ich bin gelernter Koch und Küchenmeister. Nach meiner Ausbildung war ich mehrere Jahre im Ausland für große Hotelketten und für Mövenpick in Leipzig tätig und bin dann, im Jahr 2000, zurückgekommen in die Heimat. Heute wohne ich im Landkreis Peine, angrenzend an Wolfsburg. Ich hatte durch Freunde auch während der Zeit im Ausland immer eine Beziehung zu Wolfsburg und hätte es damals nie für möglich gehalten, dass sich die Stadt so dynamisch entwickeln wird. Wolfsburg hatte vor 20 Jahren, noch ein ganz anderes Gesicht. Viele Dinge sind hinzugekommen, die das Stadtbild grundlegend verändert haben, unter anderem die Autostadt.

Was waren die Ursprünge für das heute nachhaltige Gastronomiekonzept der Autostadt?

Thorsten Pitt: Nachhaltigkeit bedeutet natürlich viel: Für mich ist es etwas Langfristiges, das bleibende Auswirkungen hat. Die Autostadt war schon immer als ein nachhaltiger Ort gedacht. Sie ist in ihrer Entstehung ein Jobmotor gewesen. Ein weiteres Ziel war, generell die Wertschöpfung in der Region zu steigern. Für die Gastronomie der Autostadt bedeutete das, regionale Produkte zu kaufen. Dabei kamen wir relativ schnell in Kontakt mit Bioproduzenten, da diese nicht so großteilig produzieren und die Möglichkeit haben, individueller auf unsere Wünsche einzugehen.

Wie ging es dann konkret weiter?

Thorsten Pitt: 2003 haben wir begonnen, schrittweise auf Bio-Produkte umzustellen – zunächst im Restaurant Chardonnay. Im Laufe der Zeit haben wir uns das Ziel gesetzt, so viele Bio-Produkte wie möglich in unseren Küchen zu verwenden. Das war schon ein große Herausforderung, bei der die ganzen Einkaufs- und Produktionsabläufe verändert werden mussten. Bei jedem Lebensmittel, das wir durch eine biologische Alternative ersetzen wollten, haben wir geschaut: Wer kann uns aus der Region beliefern? Woher kann man zum Beispiel Saft beziehen, der auf ökologische Art und Weise hergestellt wird – so wurden wir einer der ersten Gastronomiekunden von Stefan Voelkel an der Elbe in Höhbeck: Wie jeden der Lieferanten habe ich ihn besucht und er kam zu uns. Das Vertrauen muss erst einmal wachsen und dafür nehmen wir uns gerne Zeit. Natürlich soll sich für beide Seiten eine Win-win-Situation ergeben. Momentan sind etwa 95 bis 98 Prozent unserer verwendeten Produkte in der Küche biologisch zertifiziert. Für einige wenige Lebensmittel, wie zum Beispiel Wildfleisch oder Wildkräuter, gibt es noch keine Bio-Zertifizierungsgrundlage.

Das Konzept zahlt sich heute aus: Veranstaltungen wie GUT ESSEN geben dem Gast einen Einblick in die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Autostadt und den regionalen Lieferanten.

Thorsten Pitt: Ja, das Erfolgsgeheimnis sind die gewachsenen Partnerschaften zu unseren Produzenten. Wir kennen uns und sind stolz auf unsere gemeinsame Arbeit. Gerade bei GUT ESSEN geht es darum, so transparent wie auf dem Wochenmarkt zu sein: Wir geben unseren Erzeugern gern diese Bühne, gleichzeitig erhalten unsere Gästen die Möglichkeit, mit den Lieferanten ins Gespräch zu kommen und  Informationen über unsere Lebensmittel zu bekommen.

Wie sehen Sie die Einstellung unserer heutigen Gesellschaft zu biologischen Lebensmitteln?

Thorsten Pitt: Der Bio-Markt wächst. Für uns in der Autostadt stehen die Produkte unserer rund 60 Partner für Genuss. Der ist für uns bei allen Gerichten, die wir in unseren zehn Restaurants anbieten zentral. Und weil wir unsere Partner kennen, können wir unseren Gästen Qualität und Transparenz garantieren. Mit unseren hauseigenen Manufakturen für Brot, Pasta und Eis sind wir sogar noch einen Schritt weitergegangen. Diese Produkte stellen wir täglich selbst frisch her – so wissen wir genau, was in ihnen steckt und können sie mit bestem Gewissen unseren Gästen servieren. Denn eine verantwortungsbewusste Ernährung – egal ob vital (mit Fleisch und Fisch), vegetarisch oder vegan – wird für die meisten Menschen immer wichtiger.

Was macht Ihnen an Ihrem Beruf am meisten Spaß?

Thorsten Pitt: Kein Tag ist so, wie man ihn plant. Das Schöne ist, dass ich den ganzen Tag Begegnungen mit Gästen und Mitarbeitern habe. Es ist ein sehr spontaner Beruf, alles hier ist sehr lebendig. Das gefällt mir. Heute Mittag habe ich im Chardonnay mit Teller rausgetragen, das passiert auch mal. Ich möchte nah am Gast sein.

Was ist Ihr Lieblingsgericht?

Thorsten Pitt: Ich liebe alles rund um Fisch und um Erbsen. Erbsen – egal wie – als kalter Dip, als warme Suppe oder als Püree mit Minze. Erbsen sind für mich das Größte! Warum auch immer (lacht).

Gehen Sie privat lieber im Restaurant essen oder kochen Sie zu Hause?

Thorsten Pitt: Als Ausgleich zur Gastronomie, die ich den ganzen Tag um mich herum habe, genieße ich es, ganz in Ruhe zu Hause zu Essen. Dabei lasse ich mich natürlich gerne von meiner Familie bekochen oder wir kochen gemeinsam. Dann gibt es einen schönen Schmorbraten oder etwas Ähnliches, was sehr lange dauert und wo das Kochen zu einem richtigen Event wird. Das genieße ich am meisten – wenn die ganze Familie zusammensitzt, dann ist es noch schöner.

Wer noch mehr über die Autostadt Restaurants und demnächst stattfindende Veranstaltungen erfahren möchte, der kann sich hier umschauen!

 

 

 

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