leonie lauren

Leben & Lifestyle aus Wolfsburg

Little Angels Crèche – Walmer Township

Das klingt jetzt möglicherweise etwas merkwürdig, aber eine Sache, die ich von meinem Auslandssemester in Südafrika nicht erwartet hätte, ist dass dieses Land unserem Leben in Europa in ziemlich vielen Dingen sehr ähnlich ist. Die Grundvorsicht, die am Anfang mein treuer Begleiter war, bröckelt nach einiger Zeit wenn man bemerkt, dass Kriminalität – zumindest im direkten Umfeld – so gut wie nicht vorkommt. Auch Armut ist in unserer Wohngegend Summerstrand, in der sich ein pompöses Haus ans nächste reiht, kein offensichtliches Thema. Umso froher bin ich, dass ich jeden Donnerstag für 2,5 Stunden die Möglichkeit habe, eine andere Seite Südafrikas zu erleben.

IMG_107612:45 Uhr: Ein Fahrer in einem klapprigen Van holt uns vom Parkplatz unserer Uni ab. Wir, dass sind vier Internationals, die an „Community Service Learning“ teilnehmen, einem Prorgamm der NMMU, bei dem man wöchentlich Freiwilligenarbeit in unterschiedlichsten Projekten leistet und an Workshops und Vorträgen teilnimmt, die sehr wissenswerte Informationen über das Leben in Südafrika beinhalten.

IMG_110313:00 Uhr: Nachdem wir Summerstrand verlassen haben und in Walmer in Richtung Township fahren, spüre ich die ersten Veränderungen: Mehr Leute scheinen unterwegs zu sein, sitzen am Straßenrand neben Müllbergen. Kühe oder Ziegen kreuzen die Straßen. Eine Zugtrasse und dahinter unzählbar viele Hütten – teilweise aus Stein, die meisten aus Wellblech. Wir halten vor einer dieser Hütten, das Grundstück ist umgeben von Zäunen aus Stacheldraht. Daran befestigt ist ein Schild mit der Aufschrift „Little Angels Crèche“, einer Art Vorschule, Kindergarten und Hausaufgabenbetreuung. Kinder im Alter von 3-10 Jahren kommen auf dem sandigen Boden angerannt, stellen sich an den Zaun und rufen laut im Chor „Teacher, Teacher!“, als wir die Straße überqueren. Das alte Gatter öffnet sich und sofort umarmen zehn Kinderhände deine Beine, Gesichter schmiegen sich an deinen Bauch und alle brabbeln in einer Mischung aus Englisch, Xhosa und Afrikaans wie wild auf dich ein. Die nächste halbe Stunde werden wir damit verbringen, uns Zeit für diese Kinder zu nehmen, die noch nicht in die Schule gehen. Sie haben Spaß an allem Möglichen, solange sie Aufmerksamkeit bekommen. Auf dem Grundstück des „Little Angels Crèche“ stehen insgesamt drei Wellblechhütten, die im Sommer sehr heiß und stickig sein können. An den Wänden hängen Buchstaben und Zahlen. Ein paar Bücher gibt es auch. Und das wars. Keine Spiele. Kreatives Denken ist an der Tagesordnung. Wir tanzen und springen mit den Kindern, spielen Klatschspiele und malen mit Stöckern in dem sandigen Boden. Vielen von ihnen läuft andauernd die Nase und während einige Kinder sehr gepflegt aussehen, hat der Großteil von ihnen Wunden und Brandnarben und aufgekratzte Stellen sowie dreckige und kaputte Klamotten. Die sanitären Anlagen bestehen aus etwa sieben Töpfchen, die aneinandergereiht auf dem sandigen Boden stehen und die ständig voll sind sowie einem Plumpsklo für das große Geschäft. Waschbecken Fehlanzeige.

14:00 Uhr: Die ersten Schulbusse fahren durchs Township und kurze Zeit später betreten einige 1.- bis 4.-Klässler das Grundstück. Provisorisch werden Plastiktische und –stühle in einer der Hütten aufgestellt und die Mädchen und Jungen holen ihre Hausaufgabenhefte heraus. Ich muss daran denken, wie meine Eltern mir früher bei meinen Hausaufgaben geholfen haben und stelle unwillkürlich fest, dass diese Kinder womöglich mit Eltern zusammen leben, die keine Lust haben oder schlicht keine Zeit finden, um diese wichtige Aufgabe zu übernehmen. Also gebe ich mein Bestes in dieser Ersatzrolle und rechne, höre beim Lesen zu, korrigiere, reiche Stifte. Es macht Spaß, weil man merkt, dass diese Kinder lernen möchten. Niemand von ihnen sträubt sich, seine Hausaufgaben zu machen. Es ist schön zu sehen, dass diese jungen Menschen in ihren Schuluniformen über die Wochen Fortschritte machen aber auch, sie kennenzulernen, mit ihren ganz eigenen Charakterzügen und Verhaltensweisen.

IMG_107915:30 Uhr: Die Zeit vergeht wie im Flug und draußen hupt es. Unser „Taxi“ wartet, um uns zurück zur NMMU zu bringen. Die ersten Kinder werden ebenfalls abgeholt. Viele von ihnen von älteren Geschwisterkindern, die selbst gerade aus der Schule kommen. Unser Fahrer erzählt, dass heutzutage jedes Kind die Chance auf eine gute Bildung hat. Bliebe nur die Frage, was aus der Chance gemacht würde. Ich bin froh, dass es Projekte wie „Little Angels Crèche“ gibt, in dem Schulkinder die Zeit und einen Ort zum Lernen haben, der ihnen zu Hause womöglich verwehrt bleibt.

IMG_1097Gemeinsam haben Louisa und ich uns Gedanken darüber gemacht, wie wir das Projekt über unser Auslandssemester hinaus auch privat fördern können. Südafrika ist ein Land im Umschwung. Es ist kein „developed country“ sondern ein „developing country“ und wie überall auf der Welt ist auch in diesem Land die Bildung der Kinder, die Menschen, die die Zukunft gestalten, dass wichtigste Gut. Da wir in unserer Freizeit hier in Port Elizabeth gerne kochen, ist der Plan, ein Rezeptbuch zu entwickeln, dass von jedem der möchte erworben werden kann. Der Erlös wird zu 100% an unser Projekt im Walmer Township gehen. Schreibt uns gerne all eure möglichen Fragen und lasst uns wissen, was ihr von diesem Post und unserer Idee haltet.

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