leonie lauren

Leben & Lifestyle aus Wolfsburg

Hans op de Beeck – Out of the Ordinary

Dass das Kunstmuseum Wolfsburg sogar über die Grenzen der Bundesrepublik für seine einzigartigen Inszenierungen bekannt ist, ist dem einen oder anderen vielleicht gar nicht bewusst. Am Wochenende bot sich jedoch eine tolle Gelegenheit, sich selbst ein Bild von den Raummöglichkeiten zu machen: Beim Tag der offenen Tür konnten Besucher gleich zwei sehr sehenswerte und doch so unterschiedliche Ausstellungen bestaunen. Während der Südafrikaner Peter Hugo es dem Zuschauer schwer macht, den Blick von seinen eindrucksvollen, gefühlsanregenden Fotografien abzuwenden, entführt Hans op de Beeck den Betrachter nicht nur in einen Alltag der etwas anderen Art, er lässt ihn sogar Teil davon werden.

Ein pompös wirkender Raum, detailgenau und so verblüffend realistisch, dass erst beim zweiten Blick auffällt, dass alles nur so scheint. Alle Gegenstände, Wände und Böden sind in ein deckendes Grau getaucht, sodass nur der Betrachter heraussticht: durch die farbliche Abhebung und als einzige Bewegungsquelle in dem Raum, der wie ein gemaltes Stillleben wirkt. Den Raum verlassend, finden wir (ich war mit Freunden unterwegs) uns dann plötzlich im Dunkel wieder. Es ist, als gingen wir durch eine Stadt, die schläft oder sogar kurzfristig verlassen wurde. Wäre ich alleine in der Ausstellung, ich glaube, ich würde mich ein bisschen fürchten. Müllcontainer, eine einsame Schaukel, Tonnen, in denen gerade noch kleine Feuer lodern. Es scheint alles so alltäglich, aber das ist es nicht. Wir kommen in die nächste Szenerie: Ein verlassener Dachboden, in ein Licht getaucht, dass durch ein kleines Fenster scheint. Die davor hängende Jalouise sorgt für isolierende Atmosphäre und zeichnet ein Lichtmuster. Auf dem Tisch steht ein Teller mit Brombeeren – letztere sind die einzigen Gegenstände im Raum, die nicht in das alles eindeckende Grau getaucht wurden. Es wirkt, als wäre vor kurzem jemand in dem Raum gewesen und hätte diesen dann aprupt verlassen. Der Betrachter „platzt“ förmlich in eine andere Welt und das sorgt für Spannung. Ebenfalls spannend sind die Perspektivwechsel, mit denen der Künstler spielt. So kommen wir in einen Raum, der mit einer langen, gedeckten Tafel und Stühlen an ein Festmahl erinnert. Alle Gegenstände im Zimmer, sogar die Zigaretten im Aschenbecher oder der Apfelkuchen, sind um das 1,5-fache vergrößert und der Betrachter nimmt dadurch den Blickwinkel eines etwa 7-jährigen Kindes ein. (siehe letztes Bild)

 

„Out of the ordinary“ ist eine tolle Gelegenheit, in eine andere Welt einzutauchen, sich von Kunst begeistern und treiben zu lassen. Der Besuch am Tag der offenen Tür war hierfür eine gute Gelegenheit und es hat mich sehr gefreut, dass zu diesem Anlass so viele Menschen ins Museum gekommen sind. Jedoch glaube ich, dass die Ausstellung sogar noch besser wirkt, wenn man den Besuch zum Beispiel auf einen Wochentag legt und so die Möglichkeit hat, alleine in den grauen oder weißen Räumen zu stehen. Peter Hugos Fotografien haben mich auch noch beim dritten Mal begeistert – über die Ausstellung habe ich im Rahmen der „Art after Work“-Reihe des Kunstmuseums bereits hier geschrieben.

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