leonie lauren

Leben & Lifestyle aus Wolfsburg

Die Ästhetik und Kunst des Computerspiels

„Ich versuche mich an einem Spagat zwischen der philosophischen Perspektive und einer Aufbereitung, die jeder versteht.“, Prof. Dr. Daniel Martin Feige. Mit „jeder“ meinte er wahrscheinlich Leute wie mich, die mit philosophischem Denken bzw. Philosophie an sich bisher wenig Berührungspunkte hat.

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„Wer von Ihnen glaubt, dass Computerspiele Kunstwerke sind?“, fragt der Referent, der von der Staatlichen Akademie der Bildenden Künst Stuttgart kommt. 2/3 der in den Räumlichkeiten des Kunstmuseum anwesenden Personen hebt die Hand, stimmt dieser Aussage also zu. Feige ist Mitter der 70er Jahre geboren und zählt sich zu der Generation, die mit dem Videospiel aufgewachsen ist. Er sieht Computerspiele als festen Bestandteil unserer Alltagskultur. Der 2016 veröffentlichte Teil der Ego-Shooter-Computerspiele-Serie „Doom“ beispielsweise bekam von der Süddeutschen Zeitung sehr gute Rezensionen – ausgebreitet auf einer ganzen Seite. Das wäre laut des Referenten vor sechs Jahren nicht vorstellbar gewesen.

Daniel Martin Feige beginnt seinen Vortrag seinem eigenen Standpunkt zu den Begriffen, um die es während des Abends geht: Er stellt Definitionen von Philosophie, Ästehtik und Kunst vor, um im zweiten Teil zu veranschaulichen, wie diese mit Computerspielen zusammenhängen können. Dass das Thema im Allgemeinen, aber gerade bereits die Begriffsdefinition nicht einfach ist, wird im sich an den Vortrag anschließenden Diskussionsteil sehr deutlich – dazu jedoch später mehr.

Philosophie ist für Feige, einfach gesagt, die Erkenntnis über unsere Erkenntnisse, sie fängt also bereits mit Vorverständnissen an. Wenn man sich also beispielsweise fragt, ob ein Computerspiel ein Gegenstand ist, über den man in der Philosophie nachdenken kann, dann fragt ein Philosoph zuerst: Wie definiert sich der Begriff Computerspiel?

Weiterhin betont der Referent, dass das, was gezeigt wird, nicht unabhängig davon betrachtet werden kann, wie es gezeigt wird – das sei bei allen ästhetischen Gegenständen so.  An dieser Stelle wird Feiges nächster Punkt deutlich. Er macht eine Unterscheidung zwischen Ästhetik und Kunst. Tetris ist für ihn beispielsweise ein intelligentes Spiel mit gutem Gamedesign, es ist ästhetisch, doch deswegen noch keine Kunst: „Der Unterschied zwischen Kunst und Spiel ist, dass du ein Spiel gewinnen kannst, Kunst jedoch kann man lediglich erfahren.“, so Feige. Kunsterfahrungen seien als performative Transformationen unserer Selbst zu deuten. Kunstwerke lösen etwas in uns aus, verändern langfristig etwas in unserem Denken, Sein und Handeln.

Wichtig ist dem Referenten auch, klarzustellen: „Dass ein Spiel kein Kunstwerk ist, heißt nicht, dass es ein schlechtes Spiel ist.“ Wenn die Inhalte des Vortrags oftmals sehr multiperspektivisch sind und es nie eine konkrete Antwort zu geben scheint, dann ist eins klar: Ein Spiel muss selbst gespielt werden, um es zu erfahren, zu verstehen und dann darüber reden zu können.

Die sich anschließende Diskussion macht deutlich, dass viele der Zuschauer an diesem Abend bereits eine fundierte Meinung zu dem Vortragstitel haben, die sich nicht unbedingt immer mit der von Feige deckt. Es entsteht eine anregende Unterhaltung zwischen Plenum und Referenten, die noch einmal veranschaulicht, wie interessant und vielfältig das Thema betrachtet werden kann. Teilweise ist nämlich die Antwort auf die Frage: „Was ist Kunst?“ von Person zu Person so unterschiedlich, dass entsprechend auch die Aussage, Computerspiele als Kunstwerk zu bezeichnen Anklang bzw. keine Zustimmung findet. Am Ende bleibt es an Feige, abschließende Worte zu verlieren und der endlosen Flut an Fragen Einhalt zu gebieten: „Ich verteidige den Kunstgrad von Computerspielen, aber es ist schwierig und es muss vor allem gut durchdacht sein, wenn man diesen belegen möchte.“

*In freundlicher Zusammenarbeit mit der Stadt Wolfsburg

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