leonie lauren

Leben & Lifestyle aus Wolfsburg

Between the devil and the deep blue sea

Die (hoffentlich) letzten Tage des Winters wollte ich noch einmal mit einer der Aktivitäten verbringen, die sich für kalte und ungemütliche Tage anbieten. Ehrlich gesagt, wäre ich jedoch auch ins Museum gegangen, wenn das Thermometer 30 Grad angezeigt und die Sonne vom wolkenlosen Himmel gestrahlt hätte.

Anlass für den Tatendrang ist Pieter Hugo. Der südafrikanische Fotograf stellt nämlich seit dem 19.02. seine beeindruckenden Fotoserien in den Räumlichkeiten des Kunstmuseum Wolfsburg aus. Es sind seine Bilder, die unter die Haut gehen. In ihnen thematisiert Hugo Themen, die die Welt bewegen: Die Zeit nach der Apartheid in seinem Heimatland. Der Genozid in Ruanda und dessen viel zu verspätete Aufarbeitung. Menschen, die Elektroschrott sammeln und dabei ihre Gesundheit auf extreme Art und Weise gefährden. Die Kluft zwischen dem Ideal und der bitteren Realität.

Seit meinem Auslandssemester in Südafrika fühle ich mich diesem Land verbunden. Wenn im Fernsehen ein Bericht gezeigt wird, muss lauter gemacht werden. Stoße ich zufällig auf einen Zeitungsartikel über Südafrika, dann muss ich ihn lesen – Thema egal. Als ich die Bilder von Pieter Hugo sah, musste ich schlucken. Nicht, weil ich geschockt war oder so – ich war einfach überrascht von der Ehrlichkeit seiner Fotos. Die Bettler, die auf den Straßen standen und zwischen den vorbeifahrenden Autos um Geld baten, waren hier in Wolfsburg im Museum plötzlich wieder präsent. Zwei nebeneinander hängende Werke zeigen die Stadt Johannesburg aus der Vogelperspektive in zwei unterschiedlichen Versionen. In einem sind die ärmlichen Hütten eines Townships zu sehen, im Bild daneben erkennt man die großen Häuser der reichen Vororte, umgeben von akkurat gepflegtem Gras und jeder Menge Pools. Diese Szenerie hatte ich vor einem Jahr beim Landeanflug auf Joburg aus dem Fenster des Flugzeuges gesehen und ähnlich wie damals, war ich auch gestern schockiert und gleichzeitig fasziniert von der Arbeit Hugos.

Pieter Hugos Bilder erzählen keine Märchen. Sie reden auch nichts schön und schon gar nicht enstprechen sie irgendwelchen Idealen. Vor ein paar Jahren war der Fotograf in Kalifornien. Was ich – und vielleicht auch ihr – mit diesem Ort spontan assoziiert, sind Sonne, Strand, Palmen und Acai-Bowls. Was Pieter Hugo in Kalifornien fotografiert? Obdachlose, Drogensüchtige und Transvestiten. Er zeigt die Wirklichkeit, vor der unsere Gesellschaft heute so oft die Augen verschließt und dabei bleibt er sich treu – bei all seinen Reisen, die immer auch einen dokumentativen Charakter haben. Trotzdem wirken seine Bilder nicht abstoßend. Grund dafür ist, dass Hugo die Menschen in den Mittelpunkt setzt. Dadurch, dass er sie aus ihren Tätigkeiten herausholt, zu einer Art Porträt positioniert, gibt er ihnen die Würde zurück, die jeder Mensch dieser Erde verdient, unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Religion.

Ich denke, jetzt habe genug geschwärmt und wie ihr es höchstwahrscheinlich schon vermutet, möchte ich die Ausstellung jedem ans Herz legen (kann noch bis zum 23.07.17, also auch an heißen Sommertagen, an denen man gerne in kühle Räumlichkeiten flüchtet, angesehen werden).

Gestern fand die Führung, an der ich teilnahm, übrigens im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Art after work“ statt, bei der man in gemütlicher Atmosphäre und kleinen Gruppen entlang der Werke geführt wird. Ich finde, der „after work“-Charakter wurde sehr gut eingehalten, es war eine angenehme und kurzweilige Führung, bei der – aufgrund der kleinen Gruppengröße – jeder zu Wort kommen konnte und unser Guide all unsere Fragen beantwortete. Außerdem haben wir uns, bevor es in die Ausstellung ging, bunte Tüten zusammengepackt und bevor es losging standen sogar herzhafte Snacks und Getränke bereit. Für weitere Infos klickt gerne auch hier oder hier.

 

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