leonie lauren

Leben & Lifestyle aus Wolfsburg

Movimentos Pt. II – GöteborgsOperans Danskompani

Eine Halle, die Wände sind gefliest. Fenster, die zerbrochen scheinen und verstaubt sind, gezeichnet von Vergessenheit, Wegwurf. Dumpfe Töne, manchmal ein bisschen kreischend, erinnern an Filmmusik und schaffen eine düstere Atmosphäre. Aber da ist mehr. 14 Tänzerinnen und Tänzer, die plötzlich umgeben sind von Plastik, Planen, undefinierbaren Dingen – Müll.

In der kommenden Stunde sehen wir Zuschauer tänzerische Ausdrücke unserer eigenen Verschwendung, unserer Konsumgesellschaft, die sich nicht mehr stoppen lässt. Eine Gesellschaft, die ihren Müll, die eigenen Überreste sortiert, um einem Chaos Herr zu werden, welches längst nicht mehr kontrollierbar ist. Inspirationsquelle des Stückes „Wasteland“ ist der gleichnamige Film von Lucy Walker. Der Choreografin Ina Christel Johannessen wurde beim anschauen bewusst, dass wir als Gesellschaft nicht nur gut im aussortieren unseres Abfalls sind, sondern auch im Kategorisieren von uns Menschen. Diejenigen unter uns, die anders sind, stechen schnell heraus. Sortiert wird nach einem kinderleichten Muster: gut und schlecht. Wertvoll und Müll. Frei nach dem Motto: „Wer aus dem Muster fällt, der fliegt.“

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Zwischendurch möchte ich einmal kurz einbringen, dass ich das Kraftwerk LIEBE. Meiner Meinung nach gibt es fast keinen besseren Ort für kulturelle Veranstaltungen wie die Movimentos Festwochen. Ich bin mir sicher, dass diese Art der Location für die meisten Leute doch etwas außergewöhnliches darstellt. Und trotzdem könnte sich – bzw. die Autostadt als Kommunikationsplattform des Volkswagen Konzerns – in keinem Fall authentischer präsentieren.

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Während des Festival-Zeitraums steht der extra eingepflanzte „Wish Tree“ der berühmten Künstlerin und Friedensaktivistin Yoko Ono im KraftWerk. Besucher des Festivals können Wünsche auf ein Blatt Papier bringen und dieses an die Äste des Baumes hängen. Die Wünsche werden am Ende des Projekts eingesammelt und – ungelesen – an der Gedenkstätte für John Lennon auf der isländischen Insel Viðey vergraben.

Friedensaktivistin Yoko Ono im KraftWerk. Besucher des Festivals können Wünsche auf ein Blatt Papier bringen und dieses an die Äste des Baumes hängen. Die Wünsche werden am Ende des Projekts eingesammelt und – ungelesen – an der Gedenkstätte für John Lennon auf der isländischen Insel Viðey vergraben.

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Als beeindruckend empfand ich neben den außerordentlich talentierten Tänzern zudem die charakterliche Vielfalt der Gruppe. „Multikulti“ ist nun schon lange kein Thema mehr, aber als Zuschauer hatte ich das Gefühl, jedes einzelne Ich der Tänzer wurde in der Choreografie platziert. Ich ertappte mich des öfteren dabei, wie ich den Blick von einzelnen Tänzern nicht mehr wenden konnte, weil mich deren Ausdruck so faszinierte.

Es war eine Vorstellung, die anzusehen Spaß gemacht hat, mich nachdenklich stimmte und die in mir das Vorhaben auslöste, mir den Film „Wasteland“ endlich auch einmal anzusehen.

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